El mundo en el corazon – die Welt im Herzen!

30.07.2020 |

9.537 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Weinheim und Acatzingo, eine Autostunde südlich von Mexico City. Dort befindet sich `El Diamante´ (Der Diamant), das Bildungszentrum der Fokolar-Bewegung in Mexico. Dort bin ich nach 11 Flugstunden am 10. August 2019 angekommen.
Abi frisch in der Tasche und Lust auf Neues!

Davon gab es in den nächsten Monaten reichlich: Nach zwei Vorbereitungswochen mit den anderen jungen Erwachsenen, die zu einem Einsatz mit dem Internationalen Jugend-Freiwilligendienst aufbrechen wollten, hatte ich mich für Mexico entschieden. Ich wollte eine ganz andere Kultur kennen lernen, Menschen helfen und mit anderen Gleichaltrigen aus aller Welt in einer Wohngemeinschaft leben.
Mit mir waren noch zwei Jugendliche aus Deutschland dabei. Meine neue Familie bestand also aus uns zwei Deutschen, vier jungen Frauen aus Mexico und drei aus Mittelamerika. Aus Asien war Roisin dabei, die aus Taiwan kommt. Bunte Truppe, und da wir noch nicht alle gut Spanisch konnten, war die erste Herausforderung, uns über die täglichen Abläufe zu verständigen und Mahlzeiten zu finden, mit denen alle satt wurden.

In den ersten Wochen stand vor allem das Spanischlernen auf dem Programm, da war ich tatsächlich froh, in der Schule
mein Latinum gemacht zu haben und mit Italienisch wenigstens ein paar Brücken schlagen zu können. Dann wurde ich mit Roisin in der Pastellieria eingesetzt. Das ist eine Bäckerei, die (sehr leckere) Backwaren herstellt und sie auf dem nahen Markt verkauft. Dies ist eines der Sozialprojekte des dortigen Zentrums. Die Bevölkerung im umgebenden Stadtviertel ist sehr arm und entsprechend hoch ist die Kriminalitätsrate. Unser Gelände war von einer hohen Mauer mit Stacheldraht umgeben und wir Mädels gingen nur tagsüber und auch dann nie allein nach draußen. Dennoch hat mich von Anfang an fasziniert, wie herzlich und offen die Menschen auf uns zugegangen sind.
 
Die Arbeit in der „Paste“ war echt anstrengend, wer Frühschicht hatte, durfte um 4:00 Uhr beginnen …
Zu Allerheiligen und Allerseelen wird in Mexico überall groß gefeiert, der dazugehörige reich verzierte Hefe-Kranz heißt Pan-de-Muerto, davon haben wir wochenlang gefühlte 1.000 gebacken … Das Totenfest ist eine Mischung zwischen Weinheimer Kerwe und Weihnachten. Alle Familie kommen zusammen und überall (auch auf den Friedhöfen!) wird laut und lustig gefeiert. In der mexikanischen Kultur sind die Toten nicht so weit weg wie bei uns, sondern leben weiter mit uns – nur wie hinter einem Vorhang.
Weihnachten ohne Family war schon eine Herausforderung, aber das hat uns Mädels auch zusammengeschweißt – alle hatten Heimweh. Zum Glück abwechselnd!
An den Wochenenden fuhren wir immer mal wieder zu Hilfseinsätzen in die Umgebung. An vielen Orten finden sich noch
starke Schäden des Erdbebens von 2017. Wir haben geholfen „Häuser“ wieder aufzubauen. Beton haben wir mit Schippe und Wasserkanister auf einer Plane angemischt - ohne Betonmischer. Auch auf dem Land sind die Menschen unglaublich freundlich. Die Gastfreundschaft ist überwältigend und die Landschaft WUNDERSCHÖN.
 
Ab Januar bekam ich eine neue Aufgabe als Hilfskraft in der Sekundarschule. Diese soll den Kindern der ärmeren Familien eine Schulbildung ermöglichen. Da die Kinder zu Hause keine Förderung erfahren, sind auch die 6. und 7. Klässler noch mit dem Einüben der Grundrechenarten beschäftigt.
An den Nachmittagen haben wir einmal die Woche eine Art Gruppenstunde angeboten, damit die Kinder auf einem eingezäunten Ackerstück mit uns spielen konnten. Dank der Spendengelder unserer heimischen Sponsoren konnten wir Buntstifte, Bälle, Springseile und andere Spielsachen finanzieren – für die Kinder echte Schätze!
 Dann kam Corona! Anfang März kam die Order vom Außenministerium, dass alle nach Deutschland zurückkehren mussten. Vier Tage hatten wir für den Abschied – viel zu kurz!
Wieder in Deutschland war ich verwundert wie sauber hier alles ist und wie selbstverständlich wir einkaufen können und in Sicherheit leben.
Die Kinder und auch die Erwachsenen in Mexiko haben eine ganz andere Lebenswirklichkeit! Das hat mich sehr dankbar gemacht und auch nachdenklich, wie wir die Güter weltweit besser teilen könnten. Neben dem Verständnis für kulturelle Unterschiede ist auch mein Glaube gewachsen, weil meine Beziehung zu Gott lebendiger geworden ist, auch dank der vielen dortigen Angebote zum geistlichen Austausch.  
Auch wenn ich wieder in Deutschland bin, habe ich nicht nur Mexico, sondern die weite Welt mehr im Herzen. Und dank der digitalen Medien ist auch „weit weg“ nur einen Mausklick entfernt.