„Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein offenes Tor in einer Mauer, für die Sonne aufgemacht, wie ein Brief nach langem Schweigen, wie ein unverhoffter Gruß, wie ein Blatt an toten Zweigen, ein Ich-mag-dich-trotzdem-Kuss“, so beschreibt ein neues geistliches Lied in anschaulichen Bildern die Wirkung von Versöhnung.
Ich mag dieses Lied und trotzdem frage ich mich, wenn Versöhnung doch so gute Auswirkungen hat, wieso gibt es dann soviel Unversöhntes in unserer Welt? Egal, wohin man schaut, ob es die kriegerischen Auseinandersetzungen in anderen Ländern, ob es Nachbarschaftsstreitigkeiten oder familiäre Spannungen sind, überall sind Machtansprüche, Rechthabenwollen und die Suche nach dem eigenen Vorteil im Spiel. Wer gibt schon gerne zu, dass er oder sie etwas nicht richtig gemacht hat? Wer entschuldigt sich gerne beim anderen? Das fällt niemandem leicht. Und doch ist es unerlässlich für ein harmonisches Miteinander. Einfach nicht mehr miteinander zu reden, sich gegenseitig zu bekämpfen ist dann die Konsequenz, wenn Versöhnung nicht bewusst angestrebt wird. Das führt oft zu Trennung und Entfremdung.Für Jesus galten aber andere Maßstäbe. Er hat den Menschen die GOLDENE REGEL mitgegeben. Sie lautet: Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen. (Mt. 7, 12) Jesus erwartet, dass wir auch das Wohl des anderen im Blick haben, nicht nur das eigene. Er hat seinen Jüngern die Vollmacht gegeben, Sünden zu vergeben. Deshalb lädt uns unsere katholische Kirche in den Vorbereitungszeiten auf Weihnachten und Ostern besonders dazu ein, uns zu versöhnen und das Sakrament der Buße zu empfangen. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass das immer wieder Überwindung kostet.Aber es bringt mich auch weiter, mich mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten und Fehlern auseinander zu setzen und dafür um Vergebung zu bitten, verbunden mit den Überlegungen, wie es besser werden kann. Die mitmenschliche Versöhnung gehört auch immer dazu.Nutzen Sie doch die Fastenzeit dazu, Beziehungen wenn nötig, wieder ins Lot zu bringen. Dazu möchte ich Ihnen unsere Feiern der Versöhnung in der Fastenzeit besonders ans Herz legen Wenn Sie sich auf eine persönliche Beichte oder Segnung einlassen, können Sie Versöhnung und Zuspruch direkt erfahren. Ich spüre danach immer eine große innere Freiheit und Zufriedenheit.Das wünsche ich Ihnen auch! Dann können wir gut vorbereitet Ostern feiern.