Mit einer Pastoralkonferenz im Februar 2019 hat Erzbischof Stephan Burger den Prozess „Kirchenentwicklung 2030“ in der Erzdiözese Freiburg gestartet. Notwendige Veränderungen in der Pastoral, die sich aus dem Rückgang der Priesterzahlen, der hauptberuflich Mitarbeitenden, aber eben auch aus dem Rückgang der Kirchenmitglieder und der Kirchensteuermittel ergeben, sollen auf den Weg gebracht und durch eine parallele Verwaltungsstrukturreform unterstützt werden. Ziel ist es, auch in 2030 in unserer Diözese noch eine verlässliche Kirchenstruktur im Rahmen einer neuen Pfarrei, aber vor allem lebendige Gemeinden, vielleicht mit ganz neuem Selbstverständnis, zu haben. Der Prozess sieht zunächst eine zweijährige Beratung auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens und in speziellen Fachgruppen vor, ehe eine zweite Pastoralkonferenz im Jahr 2021 die erarbeiteten Umsetzungsschritte verabschieden wird, die der Kirche in der Erzdiözese Freiburg bis 2030 ein neues Gesicht verleihen werden.
Kirchenentwicklung 2030
19.07.2019 |
in der Erzdiözese Freiburg
Nachdem die Pfarrgemeinderät*innen der Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg auf ihrer diesjährigen Klausur durch die Referentin Edeltraud Kohlmann-Lier aus der Stadtkirche Heidelberg bereits über diesen Prozess informiert wurden und Gemeindereferentin Heidi Kohl auf der Gemeindeversammlung einer größeren Öffentlichkeit erste Einblicke gab, waren nun Pfarrgemeinderät*innen, der Stiftungsrat, Gemeindeteammittglieder und die Stiftungsausschüsse eingeladen, sich anhand der Darstellung von Frau Kohlmann-Lier noch einmal vertieft mit dem Prozess zu beschäftigen und eigene Fragen zu formulieren.
Zunächst mutet die angezielte Reform radikal an. Aus 224 bestehenden Kirchengemeinden sollen 40 Pfarreien eines neuen Typs werden. In diesen 40 Pfarreien, die in etwa den 39 Dekanate vor der Dekanatsreform von 2008 entsprechen werden, wird es neben den leitenden Pfarrern weitere priesterliche, diakonale und hauptberuflich pastoral Mitarbeitende geben. Auch multiprofessionelle Teams können und sollen kooperativ pastorale Arbeiten übernehmen. Geschäftsführer*innen sollen den leitenden Pfarrer von Verwaltungsaufgaben entlasten. Im pastoralen Zentrum einer Pfarrei (neu) wird ein verlässliches Angebot von Kirche im Zusammenspiel von Pastoral und Verwaltung gewährleistet werden.
Der Begriff pastorales Zentrum bedeutet jedoch nicht, dass die pastorale Arbeit nur an einem Ort stattfinden wird. Ziel ist es, das christliche und kirchliche Leben in den Gemeinden und Gemeinschaften vor Ort zu stärken. Den Gemeindeteams wird dabei in Zusammenarbeit mit den hauptberuflich pastoral Mitarbeitenden weiterhin die Rolle der Vernetzung und Förderung des kirchlichen Lebens an den einzelnen Gemeindeorten zukommen. Dem Gedanken der Subsidiarität folgend soll vor Ort an christlichem Leben verwirklicht werden, wofür sich Menschen begeistern lassen. Was dort nicht mehr geleistet werden kann, muss auf der Ebene der gesamten Pfarrei (neu) bedacht werden.
Der begonnene Prozess ist einem nicht zu verleugnenden Mangel auf verschiedenen Ebenen geschuldet und birgt vor allem das Risiko, dass noch mehr Arbeit vor Ort von noch weniger Menschen erledigt werden muss. Wichtige Aspekte des Christseins wie die Sakramente scheinen dafür in weite Ferne zu rücken. Auch wissen die hauptberuflich pastoral Mitarbeitenden noch nicht, wie das Konzept ihrer Arbeit konkret aussehen soll.
Der begonnene Prozess birgt aber auch die große Chance, mit Mut und Experimentierfreude in der Freiheit des Heiligen Geistes jenseits von Strukturdebatten im Miteinander Wege des Kircheseins in der Welt von heute zu finden. Sicher werden diese Wege im Augenblick noch gar nicht klar gesehen und viele mögliche Wege scheinen utopisch angesichts kaum wahrnehmbarer Reformen in der Römisch Katholischen Kirche. Vielleicht hilft das Suchen nach diesen Wegen jedoch auch der Diskussion auf dem Weg zu Reformen?
Der Weg der Reform braucht die Impulse aller Christen in der Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg, ob haupt- oder ehrenamtlich, ob geweiht oder Laie. Und die neuen Wege gestalten sich letztendlich nur durch jene Menschen, die sich weiter für die Verkündigung der christlichen Hoffnungsbotschaft dort wo sie leben engagieren. Das gilt auch für die am 22.03.2020 neu zu wählenden Pfarrgemeinderät*innen und die neu zu bildenden Gemeindeteams. Um hier den Blick zu weiten und Interessierte zu informieren, plant die Kirchengemeinde Weinheim-Hirschberg für den 9. November eine weitere Veranstaltung, zu der alle Interessierten herzlich eingeladen sind.

