Der Herr der Krippe
Mal sind es, wie in der evangelischen Stadtkirche oder in der evangelischen Kirche Hohensachsen, selbstgestaltete, gesichtslose Egli-Figuren, die Gefühle durch Körpersprache ausdrücken, mal gibt es auch zwei Krippen, wie in der großen Peterskirche, und auch die St.-Laurentius-Kirche schafft eine stattliche Kulisse mit großen Figuren für die Darstellung der Weihnachtsgeschichte.
Über die Krippenlandschaft von Herz Jesu weiß keiner so gut Bescheid wie Diakon Günter Huth. Über viele Jahrzehnte hinweg hat er die Verantwortung für die Figuren, aber auch für die Landschaftsteile übernommen. Die sanften Hügel werden aus Styroporteilen gebildet, über die Moos und Rindenstücke gelegt werden. Die Granitsteine, die in der Szenerie wie Felsen wirken, stammen aus dem Saukopftunnel, verrät Günter Huth. Gut zwei Stunden benötigt der Diakon, um - jährlich mit wechselnden Helfern - die Weidelandschaft auf den Stufen aufzubauen. Erst bevölkern ein paar Ziegen, dann Schafe und die ersten Hirten das Bild.
Am Beispiel des Josef erläutert Huth den Nazarener-Stil der Holzfiguren. Ihre Farbgebung ist schlicht, der Faltenwurf der Kleidung akribisch genau geschnitzt. Nach Weihnachten wird sich dann auch der leicht geschlängelte Weg zur Krippe hin mit Figuren füllen. Die Heiligen Drei Könige begeben sich in Herz Jesu mit Begleitern auf den Weg zum Stall. Außerdem werden Pferd, Kamel und Elefant als symbolische Stellvertreter für Europa, Asien und Afrika ihren Auftritt haben. „Der Elefant ist so groß, dass ein kleines Kind darauf reiten könnte“, sagt Günter Huth. Seit seinem 16. Lebensjahr kümmert er sich um die Krippe in der Gemeinde. „Es ist ein stiller Dienst“, sagt er, und es ist immer ein besonderer Moment, wenn er die Schranktüren öffnet, hinter denen die stummen Protagonisten aus Holz monatelang auf ihren großen Auftritt gewartet haben.
Huth schätzt, dass sich die Gemeinde in den 50er-Jahren diese Figuren zugelegt hat. Lange war die Krippe in der Kapelle aufgebaut. Irgendwann zog sie in den Kirchenraum um. Man spürt, dass der Diakon viel Persönliches mit seinem stillen Dienst verbindet, aber auch, dass er sich freut, wenn sich allmählich ein Helfer finden würde, der ihn einmal ablöst. dra
Dem Stall ganz nah: Diakon Günter Huth in der großen Krippenlandschaft in der Herz-Jesu-Kirche. Seit seiner Ministrantenzeit kümmert er sich Jahr für Jahr mit verschiedenen Helfern um den Aufbau der Szenerie für die Geburtsgeschichte des Heilands. Bild: Gutschalk


